Die etwas andere Klassenreise

Nach 2 Sommersemestern Schulprojektwochen auf unserem Hof, möchten wir eine kurze Rückschau halten. Die Resonanz auf unser Tun ist durchgängig positiv und wir haben uns Gedanken dazu gemacht, was die Zeit bei uns so besonders macht.

Reges Treiben am Zeltplatz: Aufgeregt rufen die Schülerinnen und Schüler durcheinander, suchen den „schönsten“ Platz für ihr Zelt. Unter der großen Eiche? Gleich neben den Ribiselbüschen mit den reifen Beeren, ganz in der Nähe der Lagerfeuerstelle oder doch lieber in der lauschigen Ecke hinter der Hainbuche? Bisher hat noch jede/r den Traumplatz gefunden und sobald der mehr oder weniger heftige Kampf mit Zeltstangen und -schnüren überstanden ist, geht es an die erste Erkundung der Gegend.

Wer mit Öffis angereist ist, kennt Esel und Hund bereits von der Wanderung zum Hof. Da gibt es ein großes Hallo und Kennenlernen und die Zeit vergeht im Flug. Wer kann schon von sich behaupten, von Eseln am Zug abgeholt worden zu sein?

Doch es gibt noch eine Menge andere Tiere: Ziegen und Gänse, Katzen und Hühner. Manch eine/r steht zum ersten Mal einer Gans gegenüber und lernt schnell, sich vor dem gezahnten Schnabel in Acht zu nehmen. Und natürlich gibt es viel, viel Wiese, Wald und Freiheit. Kein Auto verirrt sich hierher und so können alle unbeschwert „Räuber und Gendarm“, „Verstecken“ und „Topf-Deckel“ spielen. Eine ordentliche Wasserschlacht ist auch nicht zu verachten. Die gemähte Wiese hinter dem Zeltplatz lädt ein zum Ballspielen, die ungemähte gleich nebenan zum Sichhineinfallenlassen, Kichern und Träumen.

Schon bald wird zum Essen gerufen und viele hungrige Mäuler genießen Kürbiscremesuppe, Holzofenpizza, Langos, Kaiserschmarrn und viele andere am mit „echtem Feuer“ beheizten Tischherd mit Liebe und Sorgfalt zubereitete Gerichte. Nicht zu vergessen Kuchen, Obst, Fruchtsäfte und Colasirup. alles natürlich selbst gemacht aus frischen Zutaten aus dem hauseigenen Selbstversorgergarten.  „Eierspeis“ (=Rührei) aus 30 Eiern zum Frühstück? Kein Problem bei den fleißigen Hühnern, die hier überall herumlaufen. Schmeckt doch gleich viel besser, wenn die Eier zuvor eigenhändig aus dem Stall geholt wurden.

Doch halt! Wir sind doch nicht nur zum Vergnügen hier! Ausgemacht war, dass hier auch etwas gelernt wird. Mechanik zum Beispiel oder etwas über die geheimnisvolle Elektrizität. Eine Woche lang vertiefen wir uns in das Wissen über Bäume oder soll es vielleicht doch lieber ein Eintauchen in das ereignisreiche 16. Jahrhundert sein? Alles wird erforscht, ausprobiert, beobachtet, gezeichnet, bearbeitet und durchdacht. Und siehe da! Wie viel Freude das Lernen plötzlich bereitet! Wir sind doch nur zum Vergnügen hier!

Ähnlich wie den SchülerInnen geht es auch den LehrerInnen: Diese freuen sich darüber, dass hier so viel Verständnis für eine Horde übermütiger SchülerInnen herrscht. Fast wie bei Oma und Opa, die sie über lieben Besuch freuen, fühlen sich alle hier. Schließlich sind hier echte Profis am Werk, die nicht nur jahrelange Unterrichtserfahrung haben, sondern auch bereits ungezählte Klassenreisen unternommen haben. Die bringt nichts aus der Ruhe und das tut allen gut, vor allem LehrerInnen, die zum ersten Mal mit ihrer Klasse unterwegs sind. Weil das Gelände so gut für freies, selbstorganisiertes Spiel geeignet ist, profitieren nicht nur SchülerInnen, die mal Ruhe von ihren LehrerInnen haben wollen, sondern auch LehrerInnen, die auch mal Ruhe von ihren SchülerInnen haben wollen. Die LehrerInnen wollen sich nämlich auch austauschen mit den Profis von der Lernmanufaktur. Über ihre Klasse, ihren Unterricht, ihre Ideen dazu und vieles andere mehr. Ein professioneller, unvoreingenommer, trotzdem wohlwollender Blick von außen tut gut und bereichert.

Viel zu schnell vergehen sie, die 5 oder 6 Tage im schönen Burgenland, mit Lernen, Forschen, Spielen, Abenteuer, Lagerfeuer, Tiere streicheln und gutem Essen. Bevor die Zeit um ist, begeben wir uns auf eine Tageswanderung mit fast all den lieben Vierbeinern. Beim Picknick gilt es nur Acht zu geben auf die Jause, denn allzu schnell schnappen sich Esel, Ziege oder Hund eine Köstlichkeit, die nicht sorgfältig unter Verschluss gehalten wird.

Dann heißt es auch schon Abschied nehmen und nicht wenige machen dies mit dem festen Vorsatz, irgendwann wieder zu kommen.

Schülermund tut Wahrheit kund!  Blitzlichter aus Schüleraufsätzen.

Jeden Tag hatten wir Physikunterricht. Das fand ich sehr spannend. Wir hatten Wärmelehre, Mechanik und Elektrizität.  Das war sehr spannend anzuschauen. Wir mussten dann die Versuche beschreiben, das war auch sehr interessant. Mir hat alles sehr gut gefallen. Der Abschied war auch ein trauriger Abschied, weil die Tage so interessant und schön waren.

Am nächsten Tag hatten wir das erste Mal Unterricht. Das war sehr interessant, denn wir haben Wärmelehre gemacht und viele Experimente. 

Am nächten Tag hatten wir bei Physik das Thema Mechanik. Die Physikstunden haben mir sehr gut gefallen und ich habe viel dazugelernt.

Ich durfte meistens den Esel Rosalie führen. Sie war sehr ruhig und schön. Am lustigsten war es, wie Luna mit uns gespielt hat. Diese Klassenreise war sehr schön und ich würde gerne noch einmal auf diesen Hof zurückkehren.

Sie hatten einen Hund. Er war sehr groß und auf der Tür war eine Postkarte, auf der stand: „Umwerfender Hund“. Das fand ich sehr witzig. […] Ich vermisse alles: die Tiere, die Menschen. Weil wir es so fein gehabt haben.

Am Anfang war es nicht so leicht mit den Eseln und wir hatten großen Respekt vor ihnen. Als wir merkten, dass sie nett waren, durften wir sogar auf ihnen reiten. Sie fühlten sich warm und pelzig an.

Danach gab es Essen. Was es gab, weiß ich nicht mehr, aber das, was ich noch vom Essen weiß, ist, dass es sehr gut war.

Liebe Renate, ich schreibe dir den Brief, weil mir die Klassenreise sehr, sehr gut gefallen hat. Ich wollte dir, Martin und Mariella danken, weil ihr so für uns gesorgt habt. Ich mochte das Essen sehr, auch das Eseltrekking war supercool, abgesehen von den Zecken, Brennnesseln und Mücken. Das Zelten war so spannend. Ich wünsche mir, noch einmal zu euch zu kommen. Liebe Grüße, K.

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